Au Pair Bewerbungsablauf
14. April 2008 – Tagebuchbeginn
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So fang ich also mit meinem Tagebuch an..
Seit langer Zeit mal ich mir aus, wie es ist, nach dem Abi (das ich gerade schreibe!) für ein Jahr als AuPair in die USA zu gehen, um sprachlich richtig fit zu werden und endlich mal meinen eigenen Fuß auf amerikanischen Boden zu setzen, Amerikaner und ihre Lebensweisen kennen zu lernen und neue Erfahrungen zu sammeln.
Heimweh werd ich so schnell sicher nicht bekommen und auch meine Kindererfahrungen reichen völlig aus; ich wohne seit der 12. Klasse alleine und bin allgemein sehr selbstständig und verantwortungsbewusst, war ehrenamtlich in der Kinder- und Jugendarbeit tätig und habe verschiedenste Kinder betreut.. und wenn ich an meinen kleinen Bruder (heute 9) und seine Säuglings-und Kleinkindzeit denke, dann muss ich schon schmunzeln!
Es ist herrlich, Kinder heranwachsen zu sehen und dabei zu sein, gerade wenn sie die Welt neugierig erkunden und alles mögliche ausprobieren. Oft muss ich über vieles Erlebte lachen und denke wirklich gerne an all die schönen Momente zurück.
Nun aber zum Beginn der ganzen Reise, denn langsam wird das ganze ernst: vor ca. zwei Wochen habe ich mich online bei iST für das Au-Pair Programm (USA) beworben und nach einem Fototermin meine „Application“ ausgefüllt und zusammen mit einer selbst erstellten Tabelle, in der meine bisherigen Kinderbetreuungserfahrungen aufgelistet sind, an iST geschickt, die mit der amerikanischen Organisation EURaupair zusammenarbeiten. In der Application selbst wird man nach Formalitäten gefragt und nach den Gründen, warum man AuPair werden will und warum man gerade in die USA möchte. Ebenso muss man seine besonderen Fähigkeiten beschreiben und einige Adjektive ankreuzen, die beschreiben sollen, wie man sich selbst sieht.
Nachdem ich nach wenigen Tagen ein Bestätigungsschreiben im Briefkasten fand, bekam ich auch ziemlich schnell einen Anruf von iST, die mit mir einen kurzfristigen Interviewtermin für den morgigen Dienstag (17 Uhr) abmachten. Natürlich bin ich jetzt ziemlich aufgeregt und weiß gar nicht so recht, was die im Interview von mir wissen wollen. Klar, in der Einladung zum Interview steht schon sowas wie „das Gespräch wird ca. 2 Stunden dauern und zum Teil auf Englisch gehalten“ und „wir werden einen kleinen Englischtest mit ihnen durchführen“, aber irgendwie mache ich mir schon so meine Gedanken, ob das alles nicht doch schiefgehen könnte. Meine Englischkenntnisse sind nicht schlecht, neben meinem Schulenglisch muss ich mich seit meinem 13. Lebensjahr zwei mal im Jahr in London sprachlich unter Beweis stellen, rumtelefonieren und alles mögliche für meine Mama managen, die aus gesundheitlichen Gründen zu Untersuchungen nach Harefield (London) muss. Aber ob das alles wirklich ausreicht? Von einer Bekannten aus der Schule hab ich zudem von einem komischen Psychotest erfahren, den man machen muss… Ich jedenfalls bin ziemlich gespannt wies wird und ziemlich aufgeregt! Und das alles während einer hartnäckigen Erkältung und dem ganzen ABI-Stress.. ich muss nämlich noch das ganze Fach Chemie (mein zweites Prüfungsfach) in 6 Tagen wiederholen und stehe wirklich unter Zeitdruck.
Liebe Grüße,
Vici
16. April 2008 – Interviewbericht
Hallo ihr Lieben!
Gestern war mein Interview und davon werd ich jetzt mal etwas berichten…
Ich war ziemlich aufgeregt und muss mal ganz klar sagen: war gar nicht nötig! Das Interview war sehr sehr locker!
Mein Freund Daniel ist mit mir gestern den langen Weg nach Münster in die Familienbildungsstätte gefahren, in der das Interview stattfand. Wir waren ne Stunde zu früh.. und nachdem das Wegproblem dann auch gelöst war, standen wir also auf dem Parkplatz. Ich mit meinem dicken Oxford-Wörterbuch im Schoß hab mir Vokabeln aus dem Schinken rausgesucht, die ich während des Interviews nichtmal gebraucht habe!
Von daher kann ich schonmal an alle zukünftigen Interviewten weitergeben: Macht euch keinen Stress! Vorbereiten braucht man sich gar nicht, da die Atmosphäre wirklich sehr locker ist, was soviel heißt wie dass ihr immer auch auf Deutsch alle Fragen beantworten könnt, ohne dass dies bedeutet, dass ihr nicht ins Programm aufgenommen werdet. Ich jedenfalls bin sehr aufgeregt in das Gebäude gestiefelt und stand dann im 2. Stock irgendeiner Familienbildungsstätte ohne dass ich wusste, wohin es geht. Im selben Flur stand dann noch ein Mädchen, dass meiner Meinung nach so aussah, als würde sie auch gern als AuPair nach Amerika gehen. Also hab ich sie erstmal angequatscht, und siehe da: ich lag mit meiner Vermutung richtig. Zusammen saßen wir dann da und warteten auf die Interviewerin Mirjam, ehemaliges AuPair. Als diese dann eintraf, führte sie uns und ein weiteres Mädel in einen Raum, wo wir uns an einen Tisch saßen und das Interview mehr oder weniger mit einer Tafel Kinderschokolade losging. Gute Idee,auch wenn ich die Einzige war, die sich bediente
Zunächst mussten wir nochmal so einen Zettel mit Namen, Kinderbetreuungserfahrungen usw ausfüllen. Das war bei mir sehr lückenhaft, da ich nichtmal mehr wusste, wann ich was gemacht habe. Mirjam erzählte danach erstmal eine ganze Stunde lang was zum Programmablauf. Das meiste wusste ich bereits. Informativ für mich war, dass sie ein Beispiel für die Fotokollage rum gab und uns kurz erzählte, was so in den „Dear Host- Family“ Brief reingehört und was lieber nicht, was auf uns zukommt bei der Beantragung des J1- Visums, wie das Vorbereitungsseminar in New York abläuft und dass wir uns unter der Jugendherberge in NY nichts luxoriöses vorstellen sollen und die eine Stunde am Abend nutzen sollten, um ne Runde im Central Park spazieren zu gehen, da wir kaum Zeit zur Stadterkundung haben werden, dass wir nicht gleich beim ersten Telefonat mit einer Familie zusagen sollen, usw usf… Da es sich um ein Gruppeninterview zu dritt handelte, gingen wir die Fragen nacheinander durch. Zum Glück musste ich immer als letzte antworten, das nahm mir die Nervösität. Die Fragen waren auf Englisch gestellt und so mussten wir sie auch auf Englisch beantworten. Wenn man mal das eine oder andere Wort nicht wusste, hat man seine Antwort auf Deutsch gegeben und Mirjam hat es dann auf Englisch in den Bogen eingetragen. Zu den Fragen selbst muss ich sagen, dass es im Prinzip dieselben sind wie in der Application, die man am Anfang zu iST geschickt hat. Hinzu kommen halt Fragen wie ‘Leben deine Eltern zusammen?’, ‘Sind deine Eltern verheiratet?’, ‘Hast du Geschwister’, ‘Wie ist das Verhältnis zu deinen Familienmitgliedern?’, und eben auch solche, in denen gefragt wird, ob du in der Sache unterstützt wirst, ob du einen festen Freund hast (die Frage selbst war ‘Do you have a romantic realationship?’- sehr witzig also, wenn sie im Prinzip wissen wollen, ob du dich in einer festen Partnerschaft befindest oder nicht)… Und dann kam er: der komische Psychotest, bei dem ich mich so oft gefragt habe, ob englische Sätze wirklich so geschrieben werden dürfen wie ich sie lesen musste. Man musste die Fragen mit 1- 5 beantworten, 1 stand für never und 5 für very often. Ich hab wirklich oft nachgefragt, was der Sinn oder die Aussage einer Sätze sind, denn obwohl mein Wortschatz mehr als ausreichte, war ich oft verwirrt, was die da von mir wissen wollten! Wirklich crazy! Kaum zu glauben, dass die diesen Test ernst meinen
wir haben über einiges echt nur geschmunzelt. Ich war natürlich die Letzte, die ihren Test abgab, wie sonst auch.. *g* Und das wars dann auch schon. Kein kleiner Englischtest, nichts. Nicht dass ich mit dem ein Problem gehabt hätte, ganz im Gegenteil- ich war lang nicht mehr so fit in englischer Grammatik!! Aber das eben mein ich: der Stress und die Aufregung lohnen sich nicht. Alles easy!
Um acht Uhr sind wir dann auf dem Heimweg gewesen, haben noch einen kleinen Abstecher bei McDonalds gemacht, meine Eltern schnell besucht (weil meine Oma aus Berlin zu Besuch ist) und waren dann um 23 Uhr dann Zuhause.
Jetzt brauch ich nur noch auf die Unterlagen und Informationen zum weiteren Ablauf warten. Und ich sitz immer noch Tag für Tag vor Chemie…
Liebe Grüße,
Vici
27. April 2008 – ins Programm aufgenommen
Wow, geschafft! Nicht nur, dass ich ins Programm von iST aufgenommen wurde,- ich hab endlich alle schriftlichen Abiturklausuren hinter mir und muss nur noch in die mündliche Prüfung..
Aber jetzt mal weiter mit dem Bewerbungsbericht! Ich hab vor einer halben Woche Post von iST bekommen, die weitere Informationen und Hinweise zu der Bewerbung enthielt sowie die Dinge, mit denen ich mich in der nächsten Woche beschäftigen muss: eine Fotocollage erstellen, den „dear-host-family letter“ schreiben, ein Health Certificate vom Hausarzt ausfüllen lassen (wobei ein Zettel mit übersetzten Vokabeln dabei war, damit der Arzt sich zurecht findet), ein Au-Pair Agreement (das ich leider mit Textmarker durchgegangen bin), drei verschiedene Referenzschreiben, und was ich selbst noch beantragen und kopieren muss sind dann Dinge wie eine Zeugniskopie, eine Führerscheinkopie, eine Reisepasskopie und ein polizeiliches Führungszeugnis. Hab ich natürlich alles noch nicht gemacht, deswegen muss ich das in der nächsten Woche machen. In dem Schreiben stand auf jeden Fall, dass ich ins Programm aufgenommen bin. In zwei Wochen beginnt mein nächstes Praktikum in meinem alten Kindergarten.. freu mich schon darauf und bin mal gespannt wie das wird! Bis dahin viele Liebe Grüße,
Vici
30. April 2008 – Reisepass und Co. beantragen
Hey ihr Lieben,
gestern habe ich meinen Reisepass und ein polizeiliches Führungszeugnis im Bürgerbüro meines 1. Wohnsitzes beantragt. Leider konnte ich das nicht hier in Lingen machen, da dies mein 2. Wohnsitz ist.
Das einzigst komische ist die Fingerabdrucknahme, denn ich kam mir vor wie ein Verbrecher!
Ansonsten wäre für euch vielleicht wichtig, dass ihr auf das Foto achtet, denn das muss nach bestimmten Vorlagen gemacht worden sein (was so viel heißt wie „Knastfoto“- nicht lachen, gerade gucken und Nahaufnahme). Für das polizeiliche Führungszeugnis musste ich 13€, für den elektronischen Reisepass 37, 50€ bezahlen. Beides dauert um die 2-3 Wochen bis zum Erhalt.
Heute habe ich mir Bastelzeug gekauft und werde mich nach dem morgigen Tag an die Fotocollage setzen. Kinderfreundlich soll sie sein, aber ich hab da schon so ne Idee! Wenn sie fertig ist, stell ich mal Bilder ins Netz. Den „Dear-Host-Family Letter“ hab ich mit einem Satz begonnen, denke das mach ich dann auch Ende der Woche fertig. Muss ja auch noch für die mündliche Abi- Prüfung in Reli lernen…
Einen schönen 1. Mai euch und liebe Grüße,
Vici
22. Mai 2008 – Meine Bewerbung geht auf Reisen…
Halli Hallo,
endlich geschafft! Gestern habe ich mein gesamtes „Application Package“ an iST geschickt. Es ist so schön wenn man die Checkliste durch hat und die große Bewerbung endlich auf der langen Reise über Dresden nach Amerika ist! Ich hab das ganze per Einschreiben mit Rückschein bei der Post verschickt. Die Bewerbung umfasst den “Dear Host Family Letter“ (den ich von meiner ehemaligen Englischlehrerin durschauen lassen hab), eine kinderfreundlich gestaltete Fotocollage (die 2 DIN A4 Seiten hochkant umfasst und beschriftet wird), eine Zeugnis-, Reisepass- und Führerscheinkopie, das Gesundheitszertifikat von iST (vom Hausarzt ausgefüllt; Impfpass zum Arzttermin mitbringen!), das polizeiliche Führungszeugnis, die drei Referenzen (eine Charakterreferenz einer Person aus dem öffentlichen Leben und zwei Referenzen von Eltern, deren Kinder ihr aufgepasst habt) sowie das AuPair Agreement (unterschrieben). Zum Brief an die Gastfamilie muss ich sagen, dass ich zuerst gar nicht wusste, was ich schreiben sollte und dann plötzlich ist mir alles aus dem Kopf gesprudelt! Man schreibt automatisch irgendwie erstmal über die eigene Familie, über Freunde und warum man AuPair sein möchte, über die Kinderbetreuungserfahrungen und über die eigene Schulbildung und sich selbst. Wenn man einen Anfang gefunden hat, kommt der Rest auch von selbst. Mir viel das Schreiben leichter als ich vermutet hatte. Leider musste ich zum Schluss viele Sätze kürzen, da man in der Regel nur zwei DIN A4 Seiten hat. Um den Brief freundlicher zu gestalten, habe ich oben und unten auf dem Brief mit PC ein s/w Bild eingefügt, das mehrere gezeichnete Kinderkörper zeigt, die sich die Hände reichen. Für die Fotocollage habe ich drei Tage gebraucht, für den Brief eben so viele. Für das Gesundheitszertifikat hat sich mein Arzt die Zeit genommen. Alles in allem hat es zwei Wochen länger gedauert die Bewerbung komplett wegzuschicken (ursprünglich sollte die bis zum 07.05. weg sein), zumal ich meinen Reisepass erst am letzten Montag im Bürgerbüro abholen konnte. Ich hoffe es wird noch was mit Ausreisen im August.. jetzt bin ich ziemlich gespannt wie es weiter geht, denn ich zitter insgeheim vor dem Anruf einer amerkanischen Familie und vor der Stunde, die man auf Englisch spontan telefonieren soll. In der Schule malt man sich die Antworten, die man gibt, irgendwie immer in einer bestimmten Zeit aus. Am Telefon muss man von jetzt auf gleich reagieren. Das kann lustig werden, aber ich werde darüber auch sicherlich schreiben..
Seit letzten Freitag mache ich übrigens in meinem alten Kindergarten ein Praktikum für die nächsten drei Wochen. Ich hoffe ich kann mich in dieser Zeit nochmal richtig inspirieren lassen mit Bastel- und Spielideen. Da ich den Umgang mit Kindern ohnehin gewöhnt bin, fällt mir der Kindergartenalltag nicht wirklich schwer. Ich kann mich gut einbringen und hab die Regeln und den Ablauf soweit im Überblick, sodass ich langsam auch selbsständig in Situationen eingreifen kann. Hauptsache ich bin in dieser Zeit eine Unterstützung für die beiden Erzieherinnen der Schmetterlingsgruppe, denn eine Gruppe von 20 Kindern kann schon manchmal sehr anstrengend sein. Die Arbeit macht mir aber in jedem Fall sehr viel Spaß und jeder Tag ist eine Erfahrung für sich. Abends weiß ich dann, was es heißt, müde zu sein!
So, ich werde bei diesem schönen Wetter noch ein schönes Eis essen gehen. Wenn ich es schaffe stelle ich beim nächsten Eintrag den Brief und die Collage ins Netz. Bis bald,
eure Vici
30. Mai 2008 – Warten auf einen Anruf…
Hallo da draußen,
nun warte ich also auf den ersten Anruf aus den USA…
Als Rückmeldung auf meine Gesamtbewerbung kam von iST ein Brief, in dem Stand, dass ihnen meine Bewerbung gefällt und vollständig vorliegt. Ich stünde nun zur Auswahl bereit. Soweit also geschafft. In den Unterlagen gab es ein weiteres Blättchen mit möglichen Fragen auf Englisch, die die Familien stellen könnten und im Gegenzug auch Fragen auf Deutsch, die ich fragen könnte. Wichtig ist denke ich jedenfalls, dass man sich alles mitschreibt. Ich bin immer noch ziemlich aufgeregt und hoffe sehr darauf, dass ich eine geeignete nette Familie finden werde. Nur zu empfehlen ist meiner Meinung nach www.aupairusa.de. Die Seite befand sich eine Zeit lang im Umbruch, aber nun ist sie wieder abrufbar und enthält viele wichtige Dinge und auch brauchbare Info’s. So auch weitere mögliche Fragen, die man den Familien stellen kann. Ich denke es ist wichtig, alles gut abzusprechen und all seine Fragen zu klären. Neben den Arbeitszeiten, Grundlegendes und so weiter gibt es unscheinbare Fragen, an die man denken sollte! Gibt es ein Auto, das das AuPair nutzen kann? Ist es auch dann versichert? Wie siehts aus mit Telefon oder Computernutzung? usw usw
Dazu folgendes: Fragenkatalog an die Gastfamilie
Die Fragen findet ihr zum Teil auch auf aupairusa.de.
Zudem wurde mir von einem meiner Referenzgeber mitgeteilt, dass sie von der Organisation angerufen wurden. Damit möchte ich nochmal sagen, dass die Referenzen durchaus auf ihre Richtigkeit überprüft werden. Das ist nicht schlimm, aber uns wurde beim Interview gesagt, dass in den wenigsten Fällen eine Referenz tatsächlich geprüft wird.
Und nun zu diesem tollen Wochenende: ich fahr wieder mal nach London, weil meine Mama dort zwei mal im Jahr hin muss. Eigentlich ist es dort ziemlich langweilig, aber ich hoffe ich kann die Zeit bis Mittwoch mit meiner Mama nochmal allein genießen bevor ich für ein Jahr weg bin.
Euch auch allen ein schönes Wochenende und genießt das Wetter,
Vici
06.07.2008 – Die ersten Emails..
Einen wunderschönen guten Abend,
kaum aus London zurück, ist mein Email- Postkasten voller denn je.. diesmal waren die ersten Mails von zwei verschiedenen Gastfamilien dabei. Eine Familie kommt aus der Nähe von St. Louis/ Missouri und hat vier kleine Kinder im Alter von 8 Monaten bis 4 Jahre. Die andere Familie ist aus Atlanta/ Georgia und hat zwei Kinder im Alter von 4 und 6. Beide fragen in ihrer Mail einen Termin für ein Telefonat an und bei der letzteren Familie war sogar ein Bild von den beiden Kindern dabei.. mal sehen wie es da weitergeht! Vielleicht bekomme ich morgen meinen ersten Anruf – echt spannend!
In den vergangenen vier Tagen (Sonntag- Mittwoch) war ich wieder mal in London. Es war eigentlich langweilig, aber es tat auch irgendwie gut nochmal ein bisschen Englisch zu quatschen..
Auch mein Praktikum im Kindergarten geht langsam zuende. Ich habe mich sehr an die Schmetterlingsgruppe gewöhnt und fühl mich einfach nur wohl. Ich wurde wirklich herzlich und offen aufgenommen und komplett in die Gruppe integriert, wodurch ich eine Menge zusätzlicher Erfahrungen mit den Kindern sammeln konnte. Auch was der Erzieherinnenberuf eigentlich so bedeutet wurde mir wieder mal richtig bewusst. Trotz allem ist die Zeit viel zu schnell vorüber gegangen und ich mag gar nicht an meinen Abschied am kommenden Mittwoch denken! Die Kids mit ihren beiden Erzieherinnen Karin und Steffi werden mir sehr fehlen.
Alles Liebe, Vici
11.06.2008 – So viele Familien…
Hallo da draußen,
bei mir ist einiges passiert!
Heute musste ich Abschied von der Schmetterlingsgruppe im Kiga nehmen. Das ist mir nicht so leicht gefallen. Und irgendwie fühlt es sich komisch an, weil ich einfach nur super gerne da war. Ich vermisse die Kinder jetzt schon, obwohl ich erst zwei Stunden Zuhause bin!
Als ich heute meine Emails nachgeguckt habe, war ich ein wenig überrascht: es haben sich zwei weitere Familien gemeldet. Die eine Familie kommt aus der Nähe von Philadelphia/Pennsylvania und hat Zwillinge im Alter von 2. Die Mama arbeitet von Zuhause aus und ab September ist die Familie zu fünft. Auch leben sie in einer eher nobleren Gegend. Die andere Familie kommt aus Alexandria/ Virginia und zu ihr gehören neben einem 8 Monate altem Baby eine Drei- und eine Achtjährige.
Aber ich bin sehr zögerlich, denn ich glaube die Familie aus Georgia könnte es werden. Beim ersten Telefonat war Lynne mir sehr sympathisch. Auch als ich einen Telefontermin mit Michael per Email für morgen abend ausmachte, war er mir sympathisch. Irgendwie merkt man den Leuten ein wenig durch ihre Art zu schreiben an, ob sie einem gefallen oder eher weniger. Und obwohl ich vieles vergessen hab zu fragen beim ersten Telefonat am letzten Sonntag, viel zu gern auch ein Baby betreuen würde und andere Familien einen sehr ausführlichen Bericht über sich, ihr Zuhause und ihr Haus geschrieben haben, bin ich dennoch mehr von der Familie aus Georgia angetan. Ich hoffe ich fühle mich wirklich wohl mit meiner Entscheidung für eine Familie wenn ich erstmal in den USA bin!
Morgen ist mein zweiter Koffer da. Hab gestern mit Mama Koffer gekauft, damit ich mir keine Sorgen machen muss wenns soweit ist. Die Koffer sind in Größe 75 glaub ich. Auch haben beide ein integriertes TSA- Schloss, ich hoffe mal dass diese auch heile bleiben wenn sie durch die Kontrollen gehen.
Ebenfalls gehe ich morgen früh mit Tina frühstücken. Mal sehen was sie so zu meinem Bauchgefühl sagt.
Liebe Grüße von mir,
Vici
12.06.2008 – Zweites Telefonat…
Puh!
Gerade eben hatte ich mein zweites Telefonat.. mit Michael. Und mal ganz ehrlich: er klingt wie Mamas Arzt in London und ich mag seine Stimme total!
Ich war natürlich aufgeregt wie nie, aber irgendwie war ich diesmal vorbereiteter! Ich hab versucht mir das Gespräch vorzustellen und mir schonmal all die Dinge, die ich sagen und fragen möchte in ganzen Sätzen aufgeschrieben. Das hat einfach geholfen! Ich verstehe alles, jedes Wort was er gesagt hat, aber da ich beim ersten Telefonat so aufgeregt war dass ich kaum einen korrekten Satz rausbekam, hab ich diesmal alle Fragen ausformuliert. Komisch war nur, dass ich irgendwie das Gefühl hatte, dass Michael auch streng sein kann. Zumindest betonte er, dass er erst mit seiner Frau sprechen möchte, bevor ich mit ihrem aktuellen Au Pair sprechen darf und dass ich zwar ein Auto in meiner Freizeit nutzen darf, aber er nicht möchte dass ich alleine in die Großstadt fahre- verständlich wenn man an unsichere Gebiete denkt, die ich nicht kennen kann. Auch schlug er vor, dass die Kinder mir eine DVD machen könnten von sich und dem Haus und dass ich einen Fernseher im Zimmer haben kann wenn ich mag. Um mit meiner Familie und mit meinen Freunden in Kontakt zu bleiben, fragte ich nach einem Computer, worauf ich erfuhr, dass es einen Laptop gibt, den alle nutzen und den ich auch mal mit auf mein Zimmer nehmen könne. Allerdings wird gewünscht, dass ich mich nicht permanent in meinem Zimmer aufhalte. Aber ich bin ohnehin ein Mensch, der viel zu gern unter Leute ist. Meine Ruhe brauche ich nur wenn ich müde bin und wenn ich Zeit zum Nachdenken brauche. Alles in einem ist auch er mir sympathisch und ich hoffe einfach mal dass mir die Fotos von der Familie und dem Haus, um die ich beim Telefonat gebeten habe, gefallen werden. Ach ja, noch etwas hat mir sehr gefallen: Michaels Art, ‘cool’ zu sagen nach vielen Dingen anstatt ‘okay’.
Heute habe ich ebenfalls einen Brief per Email an die Familie aus Wayne/ Pennsylvania geschickt. Die Familie ist gerade im Urlaub und ich bin mal gespannt, was da so zurück kommt.
Liebe Grüße,
Vici
26.06.2008 – Eine potentielle Gastfamilie…
Hallo ihr Lieben,
gerade eben hatten wir ABIgag, und nun räume ich schon Kisten ein, denn am Samstag ziehe ich zurück in mein Elternhaus. Morgen ist unser Abiball und natürlich auch die Ausgabe der Abschlusszeugnisse.
Gestern abend habe ich mit der Hostmum aus der Nähe von Philadelphia/PA telefoniert. Nach vielen Emails haben wir diesen Termin für ein Telefonat ausgemacht. Sharon, so heißt meine potentielle Hostmum, war begeistert von meiner Bewerbung und selbst meine x- Versprecher während des Telefonates hat sie mir nicht übel genommen. Jedes Mal, wenn ich so aufgeregt bin, komm ich mir vor als würde ich nur Brocken Englisch sprechen. Aber nach dem Gespräch ließ Sharon mich wissen, dass sie mich gern als Au Pair hätten und ich mir überlegen soll, ob ich dieses Jahr mit ihnen verbringen möchte. Nun habe ich eine Woche Zeit und stehe mit keiner weiteren Familie in Kontakt. Schwierig, wenn man sich nicht sicher ist. Die Zwillinge sind 19 Monate alt und ein weiteres Familienmitglied wird Anfang Oktober die Welt erblicken. Spannend, das stimmt. Und gerade ich, die sich in diesem Jahr auch an mehreren Hebammenschulen beworben hat, liebe solche Familiensituationen. Allerdings ist auch hier zu beachten, dass die beiden Mädels gerade erst sprechen lernen und ich dann schon mal gefragt bin..Und zwei so kleine Mäuschen – das will gut überlegt sein. Alles in allem war Sharon mir am Telefon aber sehr sympathisch und lebendiger als die erste Hostmum, mit der ich telefoniert habe.
Abwarten wäre jetzt schön gesagt. Ich denke ich werde mich wohl entscheiden müssen.
Bis dahin bleibts spannend.
Liebe Grüße,
Vici
Mensch, war ich aufgeregt!
Am Sonntag sollte es also so sein: ich machte mit meiner potentiellen Hostmum ein Telefonat für Sonntagabend, 19 Uhr meine Zeit.
Leider rief niemand an. Nichts. Ich wartete den ganzen Abend und war sehr enttäuscht. Gab es Probleme? Oder hat sich die Gastfamilie für jemand anderen entschieden? Bei aller Aufregung hat mir gerade noch gefehlt, dass einfach kein Anruf kam.
Nach dieser Enttäuschung ließ ich mich noch von meinem Freund abholen und hatte so die Möglichkeit, meine Mails zu checken, da Zuhause der Internetanschluss noch nicht freigeschaltet ist.
Glücklicherweise stellte sich heraus, dass meine potentiellen Gasteltern meine alte Telefonnummer gewählt hatten und somit selbst nicht verstanden, warum sie nicht durchkommen können. Somit machte ich also einen neuen Termin mit der Familie aus, gerade mal einen Abend später. Mein Bruder feierte an diesem Tag seinen 10. Geburtstag und ich war natürlich einfach nur aufgeregt und wartete auf den Anruf.
So telefonierte ich mit ihnen eine dreiviertel Stunde. Da mir wichtig war, mit dem Hostdad zu telefonieren, band Sharon ihn ins Gespräch ein. Sie fragten verschiedenes, wie zum Beispiel welche Städte ich gern kennenlernen möchte und ob ich mich schon für Kurse entschieden hätte. Aber ich hab natürlich noch keine Ahnung was man eigentlich für Kurse belegen kann. Ich erfuhr aber im Handumdrehen, dass der Gastvater Geschichte mag und alles in einem war er mir ebenfalls sehr sympatisch. Bevor das Gespräch zuende ging, fragten die Gasteltern mich, ob ich noch irgendwelche Fragen hätte. Da ich über Emails schon vieles abklären konnte, habe ich der Familie gesagt, dass ich gern ihr Au Pair sein würde und falls sie sich für mich entscheiden würden, würde ich definitiv ‘Ja’ sagen. So endete das Telefonat und die beiden hatten Zeit, sich Gedanken über mich zu machen. Gestern rief ich die Agentur an, um ihnen mitzuteilen, dass ich eine geeignete Familie gefunden habe und mich gernen mit dieser Familie platzieren lassen würde. Die Mitarbeiterin von iST meldete sich am selben Tag mit guten Nachrichten: die Familie hat zugesagt!
Gestern Abend bekam ich einen Überraschungsanruf aus den USA: Meine Gastmutter rief an, um sicher zu gehen, dass ich mich wirklich auf das Matching einlassen möchte und berichtete mir gleichzeitig wie froh und glücklich sie über diese Entscheidung sind und wie sehr sie sich freuen. Auch änderte sich für mich etwas zuvor anders abgesprochenes in meiner Stundenzahl, wie ich am Telefon und nochmal über Email erfuhr. Aber ich denke ich wusste auch vorher worauf ich mich einlasse und kenne aus eigener Erfahrung, dass irgendwas immer anders ist als man es plant. Und gerade bei kleinen Kindern und sich ankündigem Nachwuchs ist Flexibilität und Zuverlässigkeit sehr wichtig. Ich denke das krieg’ ich hin!
Nun heißt es für mich, am 25.August Abschied zu nehmen. An diesem Tag geht mein Flieger über London nach NYC, wo ich drei Tage an einem Vorbereitungsseminar teilnehmen werde. Die Flugtickets lagen heute schon im Briefkasten. Ich freue mich wirklich riesig auf diese neue Lebenserfahrung und bin sehr aufgeregt, wie sich alles entwickelt. Auch ist es schwer, sich daran zu gewöhnen, bald von wichtigen Menschen getrennt zu leben und sie eine Zeit lang nicht zu sehen. Gott sei Dank gibt es Skype und meine Gastfamilie hält für mich einen PC mit Internet bereit.
Da ich am Samstag für eine Woche mit meiner Schwester nach Berlin fahre, um Verwandte zu besuchen, mach ich mich dann auch gleich auf die Suche nach Gastgeschenken. Ich weiß noch nicht was ich mitbringen werde, aber Ideen sind vorhanden. Leider kann ich den Termin für mein Visum bei der Amerikanischen Botschaft nicht direkt aus Berlin mitbringen, da ich diesen erst nach dem 22.07. machen darf. Mal sehen wie das läuft. Die Fotos fürs Visum muss ich auch noch machen und diese kosten ca. 20 Euro.
Für heute kümmere ich mich erstmal um die Zugtickets nach Berlin.
Ganz liebe Grüße,
Vici


